Kategorie: Aktuelles

  • Wenn digitale Barrierefreiheit teuer wird: Was WAD und EAA jetzt praktisch bedeuten

    Wenn digitale Barrierefreiheit teuer wird: Was WAD und EAA jetzt praktisch bedeuten

    Lange wurde digitale Barrierefreiheit vor allem als Frage der Qualität, der Inklusion oder der guten Verwaltung verstanden. Das bleibt richtig. Aber inzwischen zeigt sich immer deutlicher: Fehlende digitale Barrierefreiheit kann auch rechtlich und finanziell spürbare Folgen haben.

    Drei aktuelle beziehungsweise viel diskutierte Fälle zeigen, worum es geht: das Carrefour-Urteil in Frankreich, die Sanktion gegen Vueling in Spanien und der norwegische HelsaMi-Fall. Sie betreffen unterschiedliche Rechtsgrundlagen, aber sie markieren gemeinsam einen Wendepunkt: Barrierefreiheit ist nicht mehr nur eine freundliche Empfehlung. Sie wird kontrolliert, durchgesetzt und kann zu Sanktionen führen.

    Wichtig ist dabei eine saubere Einordnung. Nicht jeder Fall gehört automatisch in den Anwendungsbereich des European Accessibility Act (EAA). Und nicht jeder öffentliche digitale Dienst fällt unter dieselbe Logik wie ein privater Online-Shop. Für Europa sind vor allem zwei Regelungsbereiche wichtig: die Web Accessibility Directive (WAD) für den öffentlichen Sektor und der European Accessibility Act (EAA) für bestimmte Produkte und Dienstleistungen im privaten Markt.

    WAD und EAA: Zwei Regelwerke, zwei Geltungsbereiche

    Die Web Accessibility Directive, kurz WAD, betrifft Websites und mobile Anwendungen öffentlicher Stellen. Sie verpflichtet EU-Mitgliedstaaten dazu, die digitalen Angebote öffentlicher Stellen barrierefreier zu machen, insbesondere für Menschen mit Behinderungen. Dazu gehören auch Anforderungen an Erklärung zur Barrierefreiheit, Feedbackmechanismen und Monitoring. (EUR-Lex)

    Der European Accessibility Act, kurz EAA, betrifft dagegen bestimmte Produkte und Dienstleistungen. Dazu gehören unter anderem E-Commerce, Bankdienstleistungen, elektronische Kommunikation, bestimmte Selbstbedienungsterminals sowie bestimmte digitale Dienste im Personenverkehr. Der EAA ist in der EU seit dem 28. Juni 2025 anwendbar. (European Commission)

    Vereinfacht gesagt:

    RegelwerkTypischer GeltungsbereichBeispiele
    WADÖffentlicher SektorBehördenwebsites, kommunale Portale, Apps öffentlicher Stellen, digitale Verwaltungsdienste
    EAABestimmte Produkte und Dienstleistungen, auch privater AnbieterOnline-Shops, Banking-Apps, Telekommunikationsdienste, E-Books, bestimmte Verkehrs- und Reisedienste

    Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Fälle sonst schnell vermischen. Ein öffentlicher Gesundheitsdienst ist nicht dasselbe wie ein privater Online-Shop. Eine Fluglinie ist nicht automatisch ein WAD-Fall. Und ein Fall vor dem 28. Juni 2025 kann zwar für den EAA interessant sein, aber nicht bereits unmittelbar auf dem EAA beruhen.

    Fall 1: Carrefour in Frankreich – 71 Prozent reichen nicht

    Der Carrefour-Fall ist derzeit einer der wichtigsten europäischen Fälle zur Durchsetzung digitaler Barrierefreiheit im EAA-Kontext.

    Das Tribunal judiciaire de Caen entschied am 4. Juni 2026, dass Carrefour seine Website und seine App innerhalb von sechs Monaten vollständig barrierefrei machen muss. Für jeden Tag nach Ablauf der Frist droht ein Zwangsgeld von 500 Euro. Außerdem wurde eine Zahlung von 10.000 Euro an die klagenden Verbände wegen der Beeinträchtigung kollektiver Interessen von Menschen mit Behinderungen genannt. (Barrierekompass)

    Besonders wichtig ist die Aussage, dass eine teilweise Umsetzung nicht ausreicht. Carrefour verwies nach den vorliegenden Berichten auf einen Konformitätsgrad von 71 Prozent. Das Gericht akzeptierte das nicht als ausreichende Barrierefreiheit. (Barrierekompass)

    Das ist für Unternehmen im EAA-Geltungsbereich zentral. Digitale Barrierefreiheit funktioniert nicht wie eine Schulnote, bei der 71 Prozent irgendwie „bestanden“ bedeuten. Wenn wesentliche Funktionen eines Online-Shops nicht zugänglich sind, können Menschen mit Behinderungen weiterhin ausgeschlossen werden. Für diese Menschen ist es wenig hilfreich, wenn ein großer Teil der Website funktioniert, aber Registrierung, Produktauswahl, Warenkorb, Zahlung oder App-Nutzung scheitern.

    Der Carrefour-Fall ist deshalb so bedeutend, weil er die praktische Erwartung deutlich macht: Unternehmen müssen die relevanten digitalen Dienste tatsächlich nutzbar machen. Nicht nur teilweise. Nicht nur auf dem Papier. Nicht nur in einer Selbsterklärung.

    Fall 2: Vueling in Spanien – eine Warnung aus der Zeit vor dem EAA

    Der Fall Vueling ist formal kein klassischer EAA-Fall, weil die Sanktion vor dem Anwendungsbeginn des EAA bestätigt wurde. Trotzdem ist er für die EAA-Debatte sehr relevant.

    Die spanische Audiencia Nacional bestätigte 2024 eine Geldstrafe von 90.000 Euro gegen Vueling Airlines, weil die Website nicht die erforderlichen Barrierefreiheitsanforderungen erfüllte. Zusätzlich wurde berichtet, dass die Fluglinie für sechs Monate keine öffentlichen Mittel aus dem zuständigen Bereich erhalten durfte. (AccessibleEU)

    Für die Einordnung ist entscheidend: Es ging um eine private Fluglinie und ihre Website. Damit liegt der Fall näher am künftigen EAA-Denken als an der WAD, denn die WAD betrifft öffentliche Stellen. Gleichzeitig beruhte die Entscheidung auf spanischem Recht, nicht unmittelbar auf dem EAA.

    Gerade deshalb ist der Fall interessant. Er zeigt, dass digitale Barrierefreiheit auch vor dem EAA bereits sanktioniert werden konnte, wenn nationales Recht entsprechende Anforderungen enthielt. Mit dem EAA wird der Rahmen für bestimmte private Produkte und Dienstleistungen EU-weit klarer und einheitlicher. Der Vueling-Fall zeigt also nicht: „Der EAA wurde angewendet.“ Er zeigt vielmehr: „Die Richtung war schon vor dem EAA erkennbar.“

    Für Reiseanbieter, Fluglinien, Buchungsplattformen und andere Anbieter komplexer digitaler Dienste ist das ein wichtiges Signal. Barrierefreiheit endet nicht bei der Startseite. Gerade Buchungsstrecken, Formularprozesse, Zahlungsabläufe und mobile Nutzung müssen zugänglich sein.

    Fall 3: HelsaMi in Norwegen – öffentlicher Gesundheitsdienst und tägliche Zwangsgelder

    Der HelsaMi-Fall wird oft im Zusammenhang mit dem „EAA-Zeitalter“ diskutiert. Für die juristische Einordnung ist aber Vorsicht nötig.

    HelsaMi ist ein digitales Gesundheitsportal in Norwegen. Nach Berichten des norwegischen Aufsichtsbereichs wurden zunächst 119 Barrierefreiheitsfehler festgestellt; später waren noch 64 Fehler offen. Die zuständige Stelle drohte tägliche Zwangsgelder von 50.000 norwegischen Kronen an, wenn die offenen Fehler nicht fristgerecht behoben würden. (UsableNet Blog)

    Das ist kein sauberer EAA-Fall. Es handelt sich um einen digital zugänglichen Gesundheitsdienst mit starkem öffentlichem Bezug. Für unsere europäische Einordnung liegt der Fall daher näher am WAD- beziehungsweise Public-Sector-Kontext als am EAA für private Anbieter.

    Norwegen ist zwar kein EU-Mitglied, übernimmt aber über den EWR zahlreiche europäische Vorgaben. Die WAD wurde in Norwegen im öffentlichen Bereich umgesetzt; öffentliche Stellen müssen unter anderem Erklärungen zur Barrierefreiheit für Websites und Apps bereitstellen. (W3C)

    Der HelsaMi-Fall ist deshalb besonders interessant für Behörden, öffentliche IT-Dienstleister, Gesundheitsportale und Betreiber digitaler Daseinsvorsorge. Er zeigt: Auch im öffentlichen Sektor können Kontrollen konkrete finanzielle Folgen haben. Barrierefreiheit ist dort nicht nur Teil guter Verwaltung, sondern Teil rechtlicher Verpflichtung.

    Weitere ähnliche Fälle im WAD-Umfeld

    Auch in Norwegen gab es bereits weitere Fälle, die für den öffentlichen Sektor interessant sind.

    Die Universität Bergen wurde nach einer Kontrolle wegen Barrieren in einer digitalen Prüfungslösung und auf ihren Websites mit einem Tagesgeld von 150.000 norwegischen Kronen belegt. Nach Darstellung der norwegischen Aufsicht wurden die Fehler einen Tag nach Inkrafttreten der Sanktion behoben. (Tilsynet for universell utforming av ikt)

    Außerdem wurden norwegische Kommunen wegen Barrieren in digitalen Lernmitteln beziehungsweise kommunalen digitalen Lösungen mit Tagesgeld-Bescheiden konfrontiert. (Digi.no)

    Diese Fälle sind für den EAA nicht zentral, aber für den WAD-Geltungsbereich sehr lehrreich. Sie zeigen, dass digitale Barrierefreiheit in Schule, Hochschule, Verwaltung und öffentlicher Infrastruktur nicht abstrakt bleibt. Wenn digitale Angebote nicht für alle nutzbar sind, betrifft das Bildung, Gesundheitsversorgung, Verwaltungszugang und gesellschaftliche Teilhabe.

    Was diese Fälle gemeinsam haben

    Die Fälle unterscheiden sich in Land, Rechtsgrundlage und konkretem Verfahren. Trotzdem zeigen sie gemeinsame Muster.

    Erstens: Barrierefreiheit wird zunehmend als durchsetzbare Pflicht behandelt.
    Die Zeiten, in denen fehlende Barrierefreiheit nur als „unschön“ oder „technisches Problem“ abgetan werden konnte, sind vorbei.

    Zweitens: Teilkonformität schützt nicht zuverlässig.
    Gerade der Carrefour-Fall macht deutlich, dass 71 Prozent Barrierefreiheit nicht reichen, wenn Menschen mit Behinderungen weiterhin auf Barrieren stoßen. Entscheidend ist nicht ein Prozentwert, sondern die tatsächliche Nutzbarkeit.

    Drittens: Kritische Prozesse zählen besonders.
    Bei Online-Shops, Reisebuchungen, Gesundheitsportalen, digitalen Prüfungen oder Verwaltungsdiensten geht es nicht um dekorative Details. Es geht um Zugang zu Versorgung, Bildung, Mobilität, Konsum, Kommunikation und öffentlicher Teilhabe.

    Viertens: Öffentliche und private Anbieter müssen unterschiedlich eingeordnet werden.
    WAD und EAA verfolgen verwandte Ziele, aber sie gelten nicht für dieselben Anbieter und Dienste. Wer Fälle bewertet, sollte deshalb genau fragen: Geht es um eine öffentliche Stelle? Um einen privaten Dienst? Um E-Commerce? Um Personenverkehr? Um nationale Spezialgesetze? Oder um eine Umsetzung europäischer Vorgaben?

    Was Unternehmen und öffentliche Stellen daraus lernen sollten

    Für öffentliche Stellen im WAD-Bereich bedeutet das: Barrierefreiheit muss Teil der regulären Qualitätssicherung sein. Eine Erklärung zur Barrierefreiheit reicht nicht, wenn bekannte Barrieren nicht systematisch behoben werden. Monitoring, Feedbackmechanismus, Priorisierung und verbindliche Nachbesserung gehören zusammen.

    Für private Anbieter im EAA-Bereich bedeutet das: Barrierefreiheit muss in Produktentwicklung, Beschaffung, Designsysteme, App-Entwicklung, Content-Prozesse und Testing integriert werden. Besonders riskant sind digitale Kernprozesse: Registrierung, Suche, Auswahl, Warenkorb, Checkout, Login, Vertragsabschluss, Zahlung, Ticketkauf oder Support.

    In beiden Bereichen gilt: Ein einmaliger Test kurz vor Veröffentlichung reicht nicht. Barrierefreiheit ist kein Zustand, der einmal hergestellt und dann vergessen wird. Jede neue Funktion, jedes Redesign, jede App-Version und jede neue Komponente kann neue Barrieren erzeugen.

    Fazit: Der Rechtsrahmen wird gelebte Praxis

    WAD und EAA machen digitale Barrierefreiheit nicht neu. Die fachlichen Anforderungen sind seit vielen Jahren bekannt. Neu ist aber die wachsende praktische Durchsetzung.

    Carrefour zeigt, dass private Online-Dienste im EAA-Kontext ernsthaft mit gerichtlichen Anordnungen rechnen müssen. Vueling zeigt, dass auch vor dem EAA bereits Sanktionen gegen private Anbieter möglich waren. HelsaMi und die norwegischen Bildungsfälle zeigen, dass öffentliche digitale Dienste nicht nur politisch, sondern auch rechtlich unter Druck geraten können.

    Die wichtigste Botschaft lautet daher: Digitale Barrierefreiheit ist keine Zusatzfunktion. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Behinderungen digitale Angebote gleichberechtigt nutzen können. Und sie ist zunehmend eine Voraussetzung dafür, dass Organisationen rechtlich sicher handeln.

    Wer Barrierefreiheit erst dann ernst nimmt, wenn eine Beschwerde, ein Prüfbericht oder ein Verfahren vorliegt, ist spät dran. Besser ist es, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken: in Strategie, Budget, Verantwortung, Entwicklung, Redaktion, Beschaffung und Qualitätssicherung.

    Denn am Ende geht es nicht um 71 Prozent, nicht um Checklisten und nicht um schöne Selbsterklärungen. Es geht darum, ob Menschen – die vielleicht bei Ihnen kaufen möchten – digitale Angebote tatsächlich nutzen können.

  • Inclusive Design: Inklusion und Resilienz

    Inclusive Design: Inklusion und Resilienz

    Inclusive Design ist Gestaltung, die möglichst viele Menschen mitdenkt: nicht nur einzelne Gruppen, nicht nur einzelne Anforderungen und nicht nur die am lautesten geäußerten Bedürfnisse. Inclusive Design geht in die Breite. Genau darin liegt seine Stärke – und Herausforderung.

    Denn wer möglichst viele Menschen einschließen möchte, kann nicht immer alle Wünsche gleichzeitig erfüllen. Manche Anforderungen stehen in Spannung zueinander. Inklusion bedeutet deshalb nicht, eine einfache Lösung für alle zu finden. Sie bedeutet, bewusst abzuwägen, Kontexte ernst zu nehmen und Barrieren nicht zu übersehen.

    Sprache

    Ein Beispiel dafür ist Sprache.

    Faire Texte sind wichtig. Gleichzeitig funktioniert ein Text nicht automatisch für alle, nur weil er sichtbar inklusiv gemeint ist.

    Gendersternchen können für manche Menschen ein wichtiges Signal sein. Für andere können sie das Lesen erschweren, etwa bei Konzentrationsschwierigkeiten oder in bestimmten Nutzungssituationen.

    Das heißt nicht: Dann lassen wir es eben.

    Es heißt: Kontext zählt.

    Bei einer Stellenausschreibung kann explizites Gendern ein wichtiger Teil von Inklusion und Willkommenskultur sein, weil dadurch klar kommuniziert wird: Alle Geschlechter sind eingeladen, sich zu bewerben. In anderen Kontexten kann es inklusiver sein, nur auf das generische Maskulinum zu verzichten.

    Beispiel

    „Um allen gerecht zu werden, müssen Lehrer*innen die Vielfalt der Schüler*innen berücksichtigen.“

    Zwei Sternchen in einem Satz ist für Menschen schwierig, bei denen gendern wirkt. Das heißt sie denken alle Geschlechter jedesmal mit. Das kann ablenken.

    Die meisten Deutschen verstehen höchstens B1 – gerade bei längeren Texten. Die vielen Menschen, denen lesen schwer fällt sind dann zusätzlich gefordert. Allein unter den Erwachsenen in Deutschland gibt es fast 8 Millionen funktionale Analphabeten, also Menschen, die eigentlich Lesen und Schreiben können, denen es aber sehr schwer fällt. Weil das Lesen an sich schon anstrengt, sollten die Texte selber leicht verständlich sein.

    Um den Satz im Beispiel anders zu schreiben, müssen wir uns erst einmal klar machen, was damit gemeint ist:

    „Nur wenn wir die Vielfalt unserer Klasse berücksichtigen, können wir allen gerecht werden.“

    Das kann dann an dieser Stelle auch schon unser Satz sein. Er sagt genau das aus, was gesagt werden sollte.

    Mehr Vielfalt

    In dem Zusammenhang könnte es sogar ungewollt sein, Menschen mit allen Geschlechtern mitzudenken, denn dann würde kaum jemand an weitere marginalisierte Gruppen denken, die hier aber wichtig sind.

    Zu denen gehören in einem Klassenraum praktisch immer:

    • verschiedene Ethnien
    • unterschiedlicher Wohlstand
    • mehrere Geschlechter
    • Religionen oder kein Glaube
    • diverse sexuelle Ausrichtungen…

    Diese und alle anderen werden nicht explizit genannt und es wäre auch nicht praktikabel, das zu tun.

    Anders ist es beispielsweise bei einer Stellenausschreibung. Hier ist es sinnvoll, alle Menschen explizit einzuladen. Also beispielsweise:

    „Wir suchen Lehrer*innen. Menschen mit weiteren Vielfaltsmerkmalen laden wir ausdrücklich ein, sich auf die Stelle zu bewerben. Mehr dazu in unserem Vielfaltsstatut.“

    Ohne eine Selbstverpflichtung wie z.B. ein Vielfaltsstatut oder ein Leitbild mit entsprechenden Inhalten wird sprachlicher Aktionismus schnell unglaubwürdig und als pinkwashing wahrgenommen.

    Ein Beispiel für eine faire Mischung aus dem Verzicht auf das generische Maskulinum und explizites gendern sind übrigens die Texte aus diesem Block. ☺️

    Leider sind die Texte dennoch nicht in leichter Sprache geschrieben – wir arbeiten daran, besser zu werden!

    Fazit Sprache

    • Einfach halten
    • Auf das Maskulinum verzichten
    • Vielfalt deutlich sichtbar machen, wo es drauf ankommt
    • Regeln sichtbar machen, die eine Umsetzung sicherstellen

    Medien

    Videos können komplexe Inhalte anschaulich machen. Gleichzeitig verbrauchen sie sehr viel Datenvolumen und erzeugen entsprechend viel Traffic. Wer wenig Geld, schlechte Netzabdeckung oder einen begrenzten Tarif hat, wird ausgeschlossen, wenn Medien automatisch starten. Erklärvideos sollten deshalb nicht ungefragt abgespielt werden, sondern erst, wenn jemand ein Video händisch startet.

    Nicht nur teure Datenübertragung oder geringe Bandbreite sind wichtig. Auch Hardware ist ein Thema. Inclusive Design darf sich nicht am neuesten Smartphone orientieren. Es muss auch für Menschen funktionieren, die ältere, langsamere oder günstigere Geräte nutzen. Der Blick auf manche Statistiken erzeugt den Eindruck, dass 2024 global vor allem iPhones die Liste der meistverkauften Smartphones anführten. Zum Beispiel dieser Beitrag hier: Counterpoint Research: Top 10 Best-Selling Smartphones in 2024

    Aber wenn man genauer hinschaut sind das nur die Verkaufszahlen aus China und den USA, wo Apple besonders stark ist.

    In vielen Ländern der Welt werden No-Name-Smartphones verkauft, die sehr wenig kosten und in den Statistiken aus dem letzten Beispiel nicht auftauchen. Bruce Lawson behauptet aus der Sicht eines Menschen, der in Fernost gelebt hat, dass diese Smartphones wohl öfters verkauft werden als die Geräte, die wir hier kennen.

    Inclusive Design ist ein Ausdruck von Verantwortung

    Menschen werden behindert – durch Umgebungen, Prozesse, Sprache, Technik, schlechte Entscheidungen und fehlende Prioritäten. Zugleich ist eine Behinderung oder Einschränkung nicht nur eine Frage äußerer Barrieren. Wer nicht sehen kann, dem fehlt ganz praktisch eine Wahrnehmungsmöglichkeit. Aber ob daraus Ausschluss entsteht, hängt wesentlich davon ab, wie Gesellschaft, Organisationen und Systeme gestaltet sind.

    Diese Verantwortung zeigt sich besonders deutlich in der Arbeitswelt.

    Arbeit ist mehr als Beschäftigung. Arbeit bedeutet Teilhabe, Selbstbestimmung und Würde. Sie ist für viele Menschen ein Schlüssel zur gesellschaftlichen Beteiligung.

    In Deutschland lebten zum Jahresende 2023 rund 7,9 Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Quelle: Statistisches Bundesamt: Behinderte Menschen

    Viele Menschen mit Behinderung wollen arbeiten, stoßen aber weiterhin auf strukturelle Barrieren. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht dazu regelmäßig Berichte zur Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen, unter anderem zu Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Erwerbsbeteiligung und arbeitsmarktpolitischen Instrumenten.

    Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Menschen mit Behinderungen

    Daher ist es kaum verwunderlich, wenn Menschen mit Behinderung überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Ein „Luxus“, die sich eine Nation mit Fachkräftemangel wie Deutschland gar nicht leisten kann.

    Organisationen profitieren von unterschiedlichen Perspektiven, diversen Teams und inklusiven Arbeitskulturen. Inklusion ist auch Innovation, Zusammenarbeit und Fachkräftesicherung.

    Wer Verantwortung für ein Unternehmen, ein Team, ein Produkt oder nur eine kleine Organisationseinheit trägt, sollte dafür sorgen, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen effizient und wirksam arbeiten können.

    Hier verbindet sich Inklusion mit Resilienz.

    Resilienz

    Resiliente Organisationen entstehen, wenn Menschen m it unterschiedlichen Fähigkeiten effektiv und effizient arbeiten können.

    Gerade ältere Beschäftigte sind meist besonders erfahren und unverzichtbar für die Organisation in folgender Hinsicht:

    • Kenntnisse in den Abläufen und Prozessen
    • Einweisung neuer Team-Mitglieder
    • als Mentor*innen
    • Erfahrung in der Bewältigung von Krisen

    Andererseits nimmt mit steigendem Alter das Risiko für eine Schwerbehinderung zu. In der Alters-Gruppe 64+ ist laut destatis jede 4. Person von einer anerkannten Schwerbehinderung betroffen.

    Alle anderen sehen, hören, fühlen, reagieren und bewegen sich auch nicht mehr so wie 40 Jahre zuvor.

    Um diesen Schatz an Erfahrungen nutzen zu können, müssen Strukturen die Vielfalt der Beschäftigten berücksichtigen. Nur so können diese sich mit all ihrer Expertise einbringen.

    Modelle wie die Aktiv-Rente werden zur Farce, wenn die angesprochenen Personen Arbeitsumgebungen vorfinden, in denen sie sich nicht einbringen können.

    Gerade wenn es eng wird – also in Krisenzeiten kann eine inklusive Arbeitswelt – den entscheidenden Unterschied machen zwischen Überleben und Zusammenbruch.

    Nach einer Organisationsdiagnose wird oft sichtbar, wie sehr Strukturen, Prozesse, Kultur und Klima miteinander verbunden sind. Organisationseinheiten funktionieren nie isoliert. Und auch extern ist man in vielen Abhängigkeiten, zum Beispiel von Lieferketten. Alles beeinflusst sich gegenseitig.

    Wo steht Ihre Organisation?

    Wie resilient sind Sie aufgestellt? Können Menschen mit Behinderung in Ihrem Betrieb arbeiten?

    Beachten Sie folgende Aspekte?

    • Abschied vom defizitären Blick auf Behinderungen
      Vielfalt in Vorgaben festlegen (z.B. Statut oder Leitbild)
    • unterschiedliche Perspektiven aktiv einbeziehen:
      Diverse Teams bilden
    • Räume schaffen, in denen Menschen sich sicher äußern können:
      herrschaftsfrei kommunizieren
    • Vielfalt nicht nur aushalten, sondern bewusst nutzen
      Jeder Mensch hat Stärken, die beachtet werden müssen, bei der Auswahl von Aufgaben

    Inklusion ist dann kein Zusatz. Sie ist ein zentraler Resilienzfaktor.

    Das betrifft nicht nur Menschen mit anerkannter Behinderung. Fast alle Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Situationen, in denen sie eingeschränkt sind: durch Krankheit, Unfall, Stress, Trauer, psychische Belastung, degenerativen Alterserscheinungen, Erschöpfung, Überforderung oder andere Lebensumstände.

    Es geht um alle

    In einem inklusiven Umfeld geht die Belastung durch Stressoren für alle Beschäftigten deutlich zurück!

    Das wirkt sich unmittelbar auf Arbeitsleistung, Arbeitsfähigkeit und Krankenstand aus.

    Ein paar Zahlen, um die Relevanz von inklusiven Maßnahmen zu verdeutlichen:

    Wer also meint, Barrierefreiheit hilft nur wenigen, verkennt die Realität. Zumal es gerade Menschen in verantwortungsvollen Positionen betrifft.

    Führungskräfte

    Besonders betroffen sind Personen aus dem mittleren Management. Sie stehen oft zwischen den Erwartungen „von oben“ und den Bedürfnissen ihrer Teams. Dazu kommen Verantwortung für Ergebnisse, Konflikte, Personalentscheidungen, ständige Erreichbarkeit, Change-Prozesse, hybride Arbeit, Kostendruck und oft auch eigene operative Aufgaben. Gallup beschreibt, dass Manager häufiger Stress, Burnout-Anzeichen, schlechtere Work-Life-Balance und schlechteres körperliches Wohlbefinden berichten als Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung.
    Quelle: gallup

    Burnout ist nicht dasselbe wie Depression

    Die WHO klassifiziert Burnout in der ICD-11 als arbeitsbezogenes Phänomen, nicht als medizinische Diagnose. Es beschreibt chronischen, nicht gut bewältigten Arbeitsstress mit Erschöpfung, innerer Distanz/Zynismus gegenüber der Arbeit und verringerter Leistungsfähigkeit. 

    Depressionen differenziert betrachten

    Eine ältere arbeitspsychologische Übersicht zu Führungskräften kam zu dem Ergebnis, dass Befunde zu Stress und Burnout im Vergleich zu Nicht-Führungskräften uneinheitlich sind. Führung kann belasten, aber auch schützen, etwa durch mehr Autonomie, Einfluss, Einkommen und Status.
    Quelle: Hogrefe

    Hohes Risiko für mittlere Führungskräfte

    Sie haben viel Verantwortung, aber nicht immer ausreichend Entscheidungsspielraum. Genau diese Kombination — hohe Anforderungen bei begrenzter Kontrolle — gilt allgemein als Risikofaktor für psychische Belastung. Eine Meta-Analyse zu Arbeitsbedingungen und depressiven Symptomen zeigt, dass ungünstige Arbeitsbedingungen mit mehr depressiven Symptomen zusammenhängen. 

    Es gibt umfassende empirische Belege dafür, dass Beschäftigte — sowohl Männer als auch Frauen —, die über geringe Entscheidungsspielräume, hohe Arbeitsbelastung und Mobbing berichten, im Laufe der Zeit zunehmend depressive Symptome entwickeln.

    Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zu Arbeitsumgebung und depressiven Symptomen kommt zu folgendem Fazit:

    Viele arbeitsbezogene Umweltfaktoren können durch wirksame organisatorische Interventionen positiv beeinflusst werden.
    Quelle: Springer

    Führungskräfte können besonders stark belastet sein, vor allem im mittleren Management. Ihr Risiko für chronischen Stress, Erschöpfung und Burnout-Symptome ist in vielen Kontexten erhöht — besonders, wenn Verantwortung, Zeitdruck und Rollenkonflikte auf wenig Unterstützung treffen.

    Fazit

    Barrierefreiheit, Inklusion und Inclusive Design betreffen Produkte, Kommunikation, Arbeitsbedingungen, Führung, Organisationskultur und gesellschaftliche Verantwortung.

    Stressoren und Arbeitsumgebungen können durch organisatorische Interventionen verbessert werden!

    Dabei geht es nicht darum, von heute auf morgen alles perfekt zu machen.

    Viele kleine Schritte an unterschiedlichen Stellen tragen bei

    • verständliche Sprache
    • Gebrauchstauglichkeit
    • technische Robustheit
    • faire Kommunikation
    • psychologische Sicherheit
    • Solidarität
    • gezeigte Verantwortung
    • verbindliche Regeln
    • Zugänglichkeit/ Barrierefreiheit für alle

    Veränderung beginnt oft klein. Das 1-Prozent-Prinzip hat sich oft bewährt. Innovation kann zu Sprüngen in der Produktivität und der Gesundheit der Belegschaft führen, aber jeder Schritt in Richtung Vielfalts-Management fördert Effizienz, Effektivität und Resilienz gegenpsychische Erkrankungen und Krisen.

    Das gilt nicht nur für das Management. Vielfalt betrifft alle: Was tue ich heute dafür?

    Klar ist aber: der Wille zur Vielfalt muss von der Leitung ausgedrückt, vorgegeben und vor allem vorgelebt werden.

    Das Projekt a11y-by-default steht Ihnen bei all diesen Aufgaben gerne beratend zur Seite!

    Quellenhinweise zu den Zahlen

  • 🌻 Mehr Vielfalt bei den GRÜNEN 

    Die Vielfalt bei den GRÜNEN ist offiziell. 
    Parteien geben die Gesellschaft nur schlecht wieder. Besonders Menschen mit Behinderung haben Schwierigkeiten. Parteiprogramme nutzen oft schwere Sprache. Die digitalen Texte enthalten viele Fehler.

    Das ist ein Problem. Menschen mit Behinderung brauchen oft Hilfsmittel. Dazu gehört Software für Blinde. Diese Programme lesen Dokumente vor. Die Fehler in den Texten stören aber die Software.

    Auch die Sprache ist kompliziert. Politische Texte sind aus vielen Gründen schwer verständlich.

    Das schließt Menschen aus. Sie können in der Politik nicht mitwirken. Im Bundestag arbeitet zum Beispiel nur eine gehörlose Person. Sie heißt Heike Heubach und gehört zur SPD. Vor zwei Wochen kritisierte sie die aktuellen Gesetze für behinderte Menschen.

     👨‍🦳 Im Bundestag sitzen überwiegend weiße Männer.

    Die GRÜNEN wünschen sich mehr Abwechslung in der Politik. Deshalb führen sie als erste Partei eine Vielfaltsregel ein. Diese Regel verpflichtet die Partei selbst. Sie öffnet die Türen für alle Personen. Der Text zählt viele Gruppen auf.

    • Geschlecht
    • Herkunft
    • Religion
    • Meinung
    • Behinderung
    • Krankheit
    • Alter
    • Sprache
    • Sexuelle Orientierung
    • Geschlechtsidentität
    • Besitz oder Armut
    • Bildungsweg

    Diese Liste ist lang. Sie bedeutet: Jeder darf teilnehmen. Das Grundgesetz fordert das bereits. Trotzdem laden die GRÜNEN als erste Partei alle Menschen ausdrücklich ein.

    Eventuell folgen andere Parteien diesem Beispiel bald.

  • Ist Barrierefreiheit nur Regulierungswahn der EU?

    Ist Barrierefreiheit nur Regulierungswahn der EU?

    Also es ist eine Regulierung, aber es ist ein Glück, dass EU-weit einheitliche Vorgaben gelten. Vorgaben zur Barrierefreiheit hatten vorher schon viele Mitgliedsstaaten. Die BITV in Deutschland gibt es beispielsweise seit über 20 Jahren. Die EU harmonisiert die unterschiedlichen Vorschriften, damit alle Marktteilnehmer innerhalb des Binnenmarktes dieselben Regeln haben. Das ist gut für die Wirtschaft.

    So ist es eine Regulierung, bei der alle gewinnen.

    Einer von vielen guten Gründen ist, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Warum sollten Behinderte nicht arbeiten in einem selbstgewählten Beruf?

    Es gibt beispielsweise in der IT gar keinen Grund, warum man bei Neueinstellungen nicht selbstverständlich fragt: brauchen Sie einen Monitor oder einen Screenreader oder beides zum arbeiten?

    Monitor und Screenreader sind gleichwertige Arbeitsmittel.

    Und wenn man als Online-Shop Geld für Suchmaschinen-Optimierung im einstelligen Prozent- oder gar Promille-Bereich investiert, aber 10 bis 30 Prozent der Kunden links liegen lässt, ist das kaufmännisch schwer nachvollziehbar …

    Allerdings ist es vorbei mit Freiwilligkeit, denn das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz scheint auf Durchsetzung angelegt zu sein.

    Ein paar Eckpunkte:

    1. Strafen bis 100.000 EUR oder Verbot ein Angebot weiter zu betreiben
    2. Anlasslose Kontrollen
    3. Beschwerden sind bei der Marktaufsicht möglich
    4. Wettbewerbsrechtliche Schritte (Abmahnung, Unterlassungserklärung, Schadenersatz) sind möglich

    Die IHK München ist Gewerbetreibenden wohl gesonnen und hat das kurz und leicht verständlich zusammen gefasst.

    Das klingt schon nach: lieber machen! Vor allem der 4. Punkt ist in hart umkämpften Märkten ein wichtiger Aspekt.

    zur Website der IHK München

  • Es sollte genau anders herum sein

    Als Berater redet man sich ja oft den Mund fusselig, aber ich habe das Gefühl, viele Firmen, die sich bei mir Unterstützung holen, gehen den richtigen Weg in die Barrierefreiheit und der hat nur zwei Schritte (und ein paar kleinere):

    • Beteiligte schulen
    • Werkzeugkasten barrierefrei machen, also die Dinge, aus denen Ihr Eure Produkte erstellt

    Für jemanden wie mich, der diese Schritte mit jedem Team immer wieder neu machen muss, stellt sich aber die Frage: warum?

    Warum sind die Frameworks, auf denen Millionen und Abermillionen Webseiten beruhen, so lieblos zusammengedengelt? Kaum Aufwände fließen in die Nutzererfahrung, gefühlt werden vor allem die Wünsche der Entwickler erfüllt.

    Am Ende müsst doch auch ihr die Webseiten und Apps benutzten? – Gut ihr habt vermutlich einen gut bezahlten Job und könnt euch tolle Hardware leisten oder bekommt sie sogar kostenlos gestellt und falls ihr doch drauf sparen müsst, tut ihr das gern, weil es eure Leidenschaft ist. Aber für alle anderen ist eine Website nur ein Container mit Infos, an die man möglichst einfach und schnell heran kommen möchte. Mit einem Handy, das in der Regel (in 2023) gerade mal 150,- EUR durchschnittlich kostet.

    Denkt an diese Menschen, wenn ihr das nächste Mal ein Konzept erstellt, wenn ihr über dem Design brütet, Komponenten auswählt (es gibt barrierefreie Bibliotheken!), wenn ihr vor Eurer IDE in die Tasten haut.

    Wir wollen Eure Newsletter abonnieren, Geld in eurem Shop lassen oder eure Services wahrnehmen. Lasst uns alle mitmachen: Es wird nicht euer Schaden sein!

    Danke an Roberta Lulli und Susanna Laurin, die nicht müde werden, das offensichtliche auszusprechen!

    Hier geht es zu ihrem Artikel „Es sollte genau anders herum sein (It should be the other way round).

    Also genau so, wie wir hier es machen dank a11y by default.

    PS: Der Artikel ist in englischer Sprache, dank automatischer Übersetzung sollte das kein Problem sein 😉

  • Barrierefreiheit bei den Sparkassen nimmt Gestalt an

    Letzte Woche durfte ich an einer tollen Veranstaltung der Sparkassen Akademie Nordrhein-Westfalen in Dortmund teilnehmen. Zu der Fachtagung Barrierefreiheit in Sparkassen waren zahlreiche Expert*innen eingeladen. Nun gibt es ja viele Veranstaltungen bei denen über das Thema geredet wird, aber hier durfte ich erleben, wie konkret gehandelt wird. Die Sparkassen wollen pünktlich zum Inkrafttreten des BFSG barrierefrei sein.

    Eine Mammut-Aufgabe bei der eine positive Geschäftigkeit herrscht, die weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus geht.

    Nur ein Beispiel von vielen ist die „Zielvereinbarung zu barrierefreien Dienstleistungen zwischen dem Sparkassenverband Baden-Württemberg und den Organisationen und Selbsthilfegruppen behinderter Menschen in Baden-Württemberg“. Hier und an vielen anderen Stellen wird sicher gestellt, dass nichts über die Köpfe von Behinderten hinweg entschieden wird.

    Natürlich waren Behinderte Teil der Fachtagung. Durch das Programm führte die wunderbare Dörte Maack. Themen waren die gesetzlichen Vorgaben, aber auch inhaltliche Aspekte wie die Erstellung barrierefreier Dokumente.

    Ich durfte im Zwiegespräch mit Frau Maack zum internen und externen Kommunikationskonzept Stellung nehmen.

    Viele wichtige Dinge wurden an diesem einen Tag besprochen, „knapp 220 Teilnehmer aus über 170 Sparkassen waren vier Stunden lang online dabei, um sich das Seminar anzuschauen“ (Jens Guschmann).

    Aber ein Tag reicht natürlich nicht. Es wurde daher über das erreichte und die Ziele gesprochen und wie man dahin kommt.

    Besonders wichtig ist, das Engagement geht über die gesetzlichen Vorgaben hinaus um echte Barrierefreiheit und Kommunikation auf Augenhöhe wahr werden zu lassen.

    Es war ein fantastischer Tag und ich wurde angesteckt von der Freude und Tatkraft der Beteiligten.

    Ein Lob an die Organisatoren Jens Guschmann und Sabine Berens, die Experten und Expertin Aytekin Demirbas, Karl Huelmann, Davina Steube, Matthias Wald und Rainer Wallbruch, die unterhaltsam und perfekt vorbereitet ihre Vorträge gehalten haben.

    Gerne jederzeit wieder!

    Hier geht es zur Beschreibung der Veranstaltung

  • Diskriminierungsfrei beschäftigen

    Barrierefreiheit ist kein Luxus am Arbeitsplatz, sondern eine Notwendigkeit für eine moderne und inklusive Arbeitswelt. Im IT-Bereich und vielen anderen Branchen sehen wir, dass Menschen mit langjähriger Erfahrung plötzlich durch Krankheit oder Behinderung ihre Aufgaben nicht mehr wie gewohnt erfüllen können. Besonders häufig sind erfahrene Beschäftigte mit tiefem Wissen betroffen, das jüngeren Kolleg*innen nicht leicht zugänglich ist. Ein barrierefreies Umfeld ist deshalb sowohl sozial als auch wirtschaftlich sinnvoll.

    Vorteile für Arbeitnehmer

    1. Arbeitsfähigkeit erhalten
      Ein barrierefreier Arbeitsplatz hilft Menschen mit Behinderungen, weiterhin effektiv zu arbeiten und ihre Fähigkeiten zu zeigen. Ihr Selbstwertgefühl steigt und ihre finanzielle Unabhängigkeit bleibt.
    2. Vielfalt fördert Inklusion
      Ein unterstützendes Arbeitsumfeld fördert diverse Teams. Unterschiedliche Ansichten werden wertgeschätzt, was zu einem positiven Arbeitsklima führt, in dem sich alle wohlfühlen.
    3. Zukunftssicherheit
      Mit dem Alter treten häufiger Behinderungen auf. Ein barrierefreier Arbeitsplatz gibt Sicherheit, auch langfristig erfolgreich sein zu können, trotz möglicher Einschränkungen.
    4. Bessere Arbeitsbedingungen für alle
      Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Zugang für Menschen mit Behinderungen. Maßnahmen wie ergonomische Arbeitsplätze und verständliche Kommunikation helfen allen Mitarbeitenden

    Vorteile für Arbeitgeber

    1. Wissensverlust vermeiden
      Mitarbeitende mit viel Erfahrung bleiben produktiv, statt das Unternehmen früher zu verlassen. Wichtige Kenntnisse und Kontakte bleiben so im Unternehmen.
    2. Fluktuation und Kosten senken
      Der Verlust erfahrener Mitarbeitender verursacht hohe Kosten für die Suche und Einarbeitung neuer Talente. Ein barrierefreies Umfeld reduziert Fluktuation und bindet Mitarbeitende.
    3. Wettbewerbsvorteile durch Vielfalt
      Ein inklusives Unternehmen zieht Talente an und profitiert von innovativen Teams. Barrierefreiheit zeigt soziale Verantwortung und eine moderne Unternehmenskultur.
    4. Rechtliche und wirtschaftliche Vorteile
      Arbeitgeber mit Barrierefreiheit vermeiden rechtliche Probleme und nutzen staatliche Förderungen und Steuererleichterungen.
    5. Produktivität und Effizienz steigern
      Barrierefreie Technologien und Umgebungen steigern die Produktivität aller. Klare Strukturen und optimierte Abläufe erhöhen die Effizienz.

    Fazit

    Ein barrierefreies Arbeitsumfeld ist mehr als eine soziale Pflicht, es ist eine kluge wirtschaftliche Entscheidung. Arbeitgeber haben Zugang zu mehr Talenten und behalten wertvolles Wissen. Arbeitnehmer profitieren von einem Arbeitsplatz, der ihre Bedürfnisse und Stärken berücksichtigt. In einer alternden Gesellschaft, wo Behinderungen häufiger im Berufsleben auftreten, wird Barrierefreiheit zum Schlüssel für dauerhaften Erfolg – sowohl für Unternehmen als auch für die Mitarbeitenden.

  • Marisa Hamamoto

    Marisa Hamamoto

    Seit heute bin ich mit Marisa Hamamoto auf LinkedIn vernetzt, was für mich eine besondere Freude ist. Ihr Werk, ihre Arbeit sind so inspirierend, dass ich es allen in meinem Netzwerk empfehlen möchte.

    Ladet sie ein, lasst sie bei euch sprechen, denn sie hat etwas zu sagen, das gehört werden muss!